Startschuss für die Stationsarbeit „Hochwasserschutz“
Am 8. Mai 2009 war es endlich soweit: Das mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt DBU durchgeführte Projekt „Keine nassen Füße – Hochwasserschutz in Köln“, ein außerschulisches Umweltbildungsangebot zum Thema Hochwasser für die Sekundarstufe I, wurde im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit Vorarbeiten und -untersuchungen, mit der heißen Phase der Ausarbeitung und Erprobung sowie mit den zeitaufwändigen Evaluierungen und den daraus resultierenden „Anpassungen“ waren fast zwei Jahre ins Land gegangen. Nun war der große Augenblick der Präsentation für alle Beteiligten gekommen, der mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Abwasserforum Köln e.V., der Stadtentwässerungsbetriebe Köln AöR, dem Geographischen Institut und dem Institut für Biologie und ihre Didaktik der Universität zu Köln sowie dem HochwasserKompetenzCentrum Köln e.V. eine feierliche Note erhielt. Rund 35 interessierte Gäste sowie die Vertreter der Tagespresse waren der Einladung des Abwasserforums gefolgt und konnten sich über das neue Lernprojekt theoretisch und auch praktisch informieren.
Die Planung des DBU-Projektes
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens
Wiederkehrende Hochwasser sorgen für immense volkswirtschaftliche Schäden. Vorbeugend kann dies gemäß dem Hochwasserschutzkonzept der Stadt Köln durch den Rückbau von Gewässern und die Wiedergewinnung von Überschwemmungsflächen als auch die Förderung der natürlichen Versickerung von Niederschlägen vermieden werden. Ergänzend durch (mobile) bauliche Schutzmaßnahmen. Das Bewusstsein um die möglichen Auswirkungen des menschlichen Eingriffs in den natürlichen Gewässerverlauf, die zwingende Rückbesinnung und Renaturierung sind wichtige Einsichten, die gerade in der heutigen Zeit auch den Heranwachsenden vermittelt werden müssen.
Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden
Die Auswirkungen zum Leben am Rhein sollen zukünftig von Schülern der Sekundarstufe I durch ein neues außerschulisches Umweltbildungsangebot zum Thema „Hochwasser“ der Umweltschule „Villa Öki“ beleuchtet werden. Das geplante Vorhaben beinhaltet ein fächerübergreifendes Unterrichtsangebot aus dem Bereich Umweltbildung. Speziell das Thema Hochwasser als Teilthema des Komplexes Wasser lässt sich problemlos in den Lehrplan der Schulen aufnehmen. Die Unterrichtsmethode wird bestimmt durch einen Lernzirkel, der dem Begriff des 'Offenen Unterrichts' zuzuordnen ist. Die Schüler werden in Gruppen durch verschiedene Stationen „geführt“, die sie anhand von Arbeitsunterlagen (Rechenaufgaben, Fragestellungen nach Beobachtung, logischen Erkenntnissen etc.) in einem zeitlichen Rahmen selbstständig bearbeiten. Das Umweltangebot ist als eine gelenkte Form der Freiarbeit zu verstehen, der Lehrer nimmt eine passive Rolle des vorrangigen Beobachtens ein.
Die Abhängigkeit des Menschen von der Natur und deren absolute Wertschätzung sowie die Folgen seines Eingreifens sollen anhand von Rollenspielen und mit praktischen Experimenten erarbeitet werden. Die unbedingte Notwendigkeit des Gewässerschutzes und die Möglichkeiten der Mitwirkung eines jeden einzelnen werden dabei klar und deutlich herausgestellt.
Ergebnisse des DBU-Projektes
Die didaktische Konzipierung des neuen Unterrichtsmodells „Lernen an Stationen“ und die theoretische Ausarbeitung von den vier Kernstationen Flittarder Rheinaue (unmittelbar angrenzend an das Großklärwerk Köln-Stammheim), mobile Hochwasserschutzwand (Modell zur Schulung des Personals), Modellversuche (Bodendurchlässigkeiten, Aufnahmekapazitäten, Reinigungsprozesse) und Multi Media Station unter pädagogischen Gesichtspunkten sowie die Erstellung von begleitenden Arbeitsmaterialien für die Schüler/Lehrer (Lernzirkelordner) zum Thema „Hochwasser“ wurden im Rahmen dieses Projektes angefertigt. Die für alle Stationen erstellten Arbeitsblätter sind in einem Lernzirkelordner gesammelt, der nun den besuchenden Klassen in der Villa Öki zur Verfügung gestellt wird.
Die vier Kernstationen bestehen zunächst aus der:
Lernzone I „Die Aue als Lebens- und Retentionsraum“
mit Ideen für Station 1: Auenboden – Fundamentaler Bestandteil des Ökosystems Aue; Station 2: Konkurrenzkampf am Fluss – Konflikte um die Auennutzung; Station 3: Die Weide – In Einheit leben mit der Flut?!; Station 4: Die Aue – Ein Lebensraum mit besonderen Herausforderungen; Station 5: Pflanzen in der Aue (Teilaspekt der Station 4);
und aus der
Lernzone II „Hochwasserschutz“
mit Ideen für Station 1: Hochwasserschutzwand; Station 2: Vorbeugender Hochwasserschutz?! - Eine Bürgerdiskussion
In den Arbeitsblättern des Lernzirkelordners sind hierzu Rollenspiele entwickelt, in denen die Schüler in verschiedene Rollen schlüpfen (Betroffene, Amtspersonen, Sachbearbeiter von Versicherungen). Hierbei werden ihnen kognitive Lernziele wie das Aufzeigen von Ursachen und mögliche Maßnahmen zur Verhinderung von Hochwasser vermittelt. Die instrumentellen Lernziele sollen dabei z.B. das Beobachten fördern und einen kritischen Umgang mit Informationsquellen (Zeitungsartikeln, Internet) bewirken, die affektiven Lernziele ein abschließendes Werten und Reagieren. Gefördert werden hierdurch gegenseitiges Verständnis, Meinungsakzeptanz und aktives Umweltbewusstsein.
Die Entwicklung und Umsetzung dieser beiden Lernzonen erfolgten unter Federführung von Frau Dr. Dorothea Wiktorin (Geographisches Institut der Universität zu Köln), die auf umfangreiche Erfahrungen sowohl hinsichtlich Stationsarbeit als auch hinsichtlich Hochwasser blicken kann. Sie betreute die Lehramtskandidatin Jaqueline Engels, die im Rahmen ihrer Examensarbeit die beiden o.g. Lernzonen realisierte.
Mit Lernzone III „Modellversuche zum Hochwasser“
mit Station 1: Bodentiere; Station 2: Bodenverdichtung & Versiegelung; Station 3: Durchlaufsimulator; Station 4: Starkregen 1; Station 5: Starkregen 2; Station 6: Tulla Modell 1 (Rheinbegradigung); Station 7: Wasserspeicherkapazität; Station 8: Großversuch Tulla Modell 2; Station 9: Großversuch Hochwassersimulationsmodelle
und
Lernzone IV – Multimedia-Station
mit Station 1: Retentionsfläche Flittarder Rheinaue
haben die Schüler die Möglichkeit, die Folgen natürlicher Ereignisse und vom Menschen beeinflusster Maßnahmen experimentell, d.h. an Modellen zu erfahren. Beinahe auf spielerische Weise erleben die Schüler zum Anfassen Naturereignisse und/oder die Folgen des menschlichen Eingriffs in die Natur. Auch hierfür wurden Arbeitsmaterialien für den Lernzirkelordner entwickelt, die zum einen den Schülern die Dimensionen von Hochwasserereignissen vermitteln und zum anderen, wie wichtig umweltbewusstes Handeln und Denken sind. Allerdings handelt es sich bei diesen Arbeitsmaterialien nicht um die Umsetzung in Rollenspielen, sondern um Rechenaufgaben, Fragestellungen und/oder gefragten Schlussfolgerungen zu den jeweiligen Themen.
Die Entwicklung und Umsetzung der Lernzonen III und IV wurde in die bewährten Hände von Herrn Prof. Dr. Klaus Klein und sein Team (Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln) gelegt. Prof. Klein verfügt seit vielen Jahren über umfangreiche Erfahrungen in der Stationsarbeit und ist mit der komplexen Thematik „Hochwasser“ bestens vertraut.
Danke für Unterstützung, Beratung und Hilfestellung
Die finanzielle Förderung durch die DBU Deutsche Bundesstiftung Umwelt und die finanzielle und praktische Unterstützung der StEB, AöR, Stadtentwässerungsbetriebe Köln haben die Realisierung dieses Projektes erst ermöglicht. Nur durch die wissenschaftliche Begleitung der beiden Universitäts-Institute konnte eine so ausgefeilte und pädagogisch wie didaktisch anspruchsvolle und ausgereifte außerschulische Lerneinheit zum Thema Hochwasser realisiert werden.
Wann und wie geht’s mit dem Unterricht los?
Der äußerst umfangreiche Lernzirkelordner bildet eine sehr solide Basis für den zukünftigen „Lernen an Stationen-Unterricht“ in der Villa Öki. Nach den Sommerferien wird dieser in einzelnen Modulen, sprich Stationen, in Form einer pdf-Datei hier im Internet unter Vergabe eines Passworts den Lehrkräften zur Verfügung stehen, d.h.: Vor dem praktischen Unterricht in der Villa Öki haben die Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit, sich ausführlich über die Unterrichtseinheiten zu informieren und vorzubereiten.





